Die Schwankungen und Störungen des Menstruationszyklus verstehen
Bei thebloodist es eines unserer grundlegenden Anliegen, die geschlechtsspezifische Datenlücke im Gesundheitswesen zu schließen. Ein entscheidender Aspekt dabei ist das Verständnis des Menstruationszyklus und der verschiedenen Störungen, die ihn beeinträchtigen können. Die Menstruation ist nicht nur ein monatliches Ereignis, sondern ein komplexer biologischer Prozess, der die allgemeine Gesundheit einer Frau widerspiegelt. Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, werden Sie gut darüber Bescheid wissen, wie der Menstruationszyklus funktioniert und welche möglichen Blutungsmuster sowie Menstruationsstörungen es gibt. Wir werden auch auf Diagnosemethoden und die zugrunde liegenden Ursachen dieser Störungen eingehen.
Die Funktionsweise Ihres Menstruationszyklus verstehen
Der Menstruationszyklus ist ein hormonell gesteuerter Prozess, der eine Empfängnis zwischen der Menarche (der ersten Menstruation) und der Menopause (dem Ende der Menstruationszyklen) ermöglicht, indem er die Eierstöcke dazu anregt, eine Eizelle freizusetzen, und gleichzeitig die Gebärmutterschleimhaut (die innere Schicht der Gebärmutter) auf eine mögliche Einnistung vorbereitet.
Der Menstruationszyklus dauert in der Regel 25 bis 31 Tage, wobei Schwankungen vor allem in der ersten Hälfte auftreten, insbesondere während der Eizellenbildung. Die zweite Hälfte dauert durchweg 14 bis 15 Tage. Die Menstruation dauert in der Regel 3 bis 7 Tage, wobei der durchschnittliche Blutverlust bei 30 bis 60 ml liegt.
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1. Hälfte des Zyklus (Tag 1–14) = Proliferations- und Follikelphase
Die Menstruation (Tag 1–4) beginnt mit dem Abbau der funktionellen Gebärmutterschleimhaut. Darauf folgt die Proliferationsphase (Tag 4–15), die durch Östrogen gesteuert wird.
In der Follikelphase reifen im Eierstock unter dem Einfluss von FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) – einem vom Gehirn ausgeschütteten Hormon – mehrere Follikel (die Eizellen enthalten) heran. Es wird ein dominanter Follikel ausgewählt, was zu einer erhöhten Östrogenproduktion und einem LH/FSH-Spitzenwert führt, der den Eisprung auslöst.
2. Hälfte des Zyklus (Tag 14–28) = Lutealphase
Der Eisprung findet etwa am 14. Tag statt, woraufhin sich das Gelbkörperchen bildet, das Progesteron produziert. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, bildet sich das Gelbkörperchen zurück.
Progesteron bewirkt eine Differenzierung der Gebärmutterschleimhaut und bereitet diese auf eine mögliche Einnistung vor. Kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, sinkt der Progesteronspiegel, was zu einer funktionellen Nekrose der Gebärmutterschleimhaut und zur Menstruation führt.
Etwa am 28. Tag beginnt der Abbau des Gebärmutterschleimhautgewebes, und damit hat ein neuer Zyklus begonnen.
Häufige Menstruationsstörungen
Blutungsstörungen, die vom normalen Blutungsmuster des Menstruationszyklus abweichen, lassen sich unter dem Begriff „abnormale Gebärmutterblutungen“ (AUB) zusammenfassen.
Dysmenorrhö (Menstruationsschmerzen):
Primäre Dysmenorrhö: Diese Form von Menstruationsschmerzen tritt ohne zugrunde liegende Erkrankung auf. Manchmal wird sie auch als idiopathisch bezeichnet. Sie beginnt typischerweise ein oder zwei Tage vor der Menstruation und hält einige Tage während der Periode an. Die Schmerzen werden oft als krampfartig beschrieben und können von leicht bis stark reichen. Sie werden durch Kontraktionen der Gebärmutter verursacht, wenn diese ihre Schleimhaut abstößt.
Sekundäre Dysmenorrhö: Diese Form von Menstruationsschmerzen steht im Zusammenhang mit einer zugrunde liegenden Erkrankung. Zu den häufigen Ursachen zählen unter anderem:
Endometriose: Eine Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst und während der Menstruation starke Schmerzen verursacht.
Adenomyose: Eine Erkrankung, bei der Gewebe der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in die Muskelwand der Gebärmutter hineinwächst, was zu stärkeren Menstruationskrämpfen und starken Blutungen führt.
Uterusmyome: Gutartige Tumoren aus Muskelgewebe, die in der Gebärmutter wachsen und während der Menstruation Schmerzen und starke Blutungen verursachen können.
Amenorrhö (Ausbleiben der Menstruation):
Physiologische Amenorrhö: Hierbei handelt es sich um ein natürliches Ausbleiben der Menstruation, das in bestimmten Lebensphasen wie der Kindheit, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren auftritt.
Pathologische Amenorrhö: Diese Form der Amenorrhö ist kein normaler Bestandteil des Menstruationszyklus und kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
Primäre Amenorrhö: Wenn ein Mädchen im Alter von 16 Jahren noch keine erste Menstruation hatte, kann dies auf anatomische Ursachen oder ein hormonelles Ungleichgewicht zurückzuführen sein.
Sekundäre Amenorrhö: Wenn bei einer Frau, die zuvor regelmäßige Menstruationszyklen hatte, die Menstruation für sechs Monate oder länger ausbleibt, kann dies auf Faktoren wie Stress, übermäßigen Sport, Essstörungen, das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) oder andere Erkrankungen zurückzuführen sein.
Veränderungen des Menstruationszyklus:
Frauen klagen manchmal über Schwankungen hinsichtlich der Häufigkeit, der Stärke und des Zeitpunkts ihres Menstruationszyklus. Diese Abweichungen vom typischen Menstruationsrhythmus können oft auf mögliche gesundheitliche Probleme im weiblichen Fortpflanzungssystem hindeuten.
Dazu gehören:
Polymenorrhoe: Dies bezeichnet ungewöhnlich häufige Menstruationsblutungen mit Zyklen von weniger als 21 Tagen.
Oligomenorrhö: Die Oligomenorrhö ist durch seltene Menstruation gekennzeichnet, wobei die Menstruationszyklen länger als 35 Tage dauern.
Hypermenorrhoe: Dieser Begriff wird verwendet, wenn eine Frau unter ungewöhnlich starken Menstruationsblutungen leidet.
Menorrhagie: Unter Menorrhagie versteht man eine verlängerte und/oder übermäßig starke Menstruation, die oft mit Blutgerinnseln einhergeht. Sie kann durch ein hormonelles Ungleichgewicht, Gebärmuttermyome oder andere Grunderkrankungen verursacht werden.
Hypomenorrhoe: Hypomenorrhoe ist das Gegenteil von Menorrhagie, bei der die Menstruation sehr schwach oder spärlich ausfällt.
Metrorrhagie: Dieser Begriff bezeichnet unregelmäßige Blutungen zwischen den Menstruationszyklen.
Menometrorrhagie: Bei dieser Erkrankung kommt es zu starken und unregelmäßigen Blutungen, oft einer Kombination aus Menorrhagie und Metrorrhagie.
Veränderungen im Menstruationszyklus können verschiedene Ursachen haben, darunter Hormonstörungen, strukturelle Anomalien der Fortpflanzungsorgane, bestimmte Medikamente oder Erkrankungen.
Prämenstruelles Syndrom & Prämenstruelle dysphorische Störung
PMS und PMDD betreffen bis zu 75 % aller menstruierenden Frauen in den Tagen vor ihrer Periode. Emotionale und körperliche Symptome wie beispielsweise Brustspannen, Blähungen oder Reizbarkeit sind nur einige der möglichen Symptome. Wenn Sie mehr über diese Erkrankungen erfahren möchten, lesen Sie HIER unsere früheren Blogbeiträge.
Diagnostische Ansätze bei Menstruationsstörungen
Wenn Menstruationsstörungen anhalten, ist eine diagnostische Abklärung unerlässlich. Zu den wichtigsten Schritten gehören:
Anamnese: Dazu gehören Fragen zu genetischen Erkrankungen, Essstörungen und dem Stresslevel. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Menstruationsgeschichte und -muster der Patientin zu kennen. Ein sehr wichtiger Aspekt ist es, den eigenen Menstruationszyklus zu dokumentieren, beispielsweise mithilfe einer App oder eines Menstruationstagebuchs. Es ist unerlässlich, auch nach einem eventuellen Kinderwunsch zu fragen, der bei den Untersuchungen berücksichtigt werden sollte.
Körperliche Untersuchung: Eine gründliche körperliche Untersuchung kann Anzeichen wie Hirsutismus (übermäßiger Haarwuchs) aufdecken, die auf Erkrankungen wie das PCOS oder eine erhöhte Testosteronproduktion hindeuten können. Mittels einer vaginalen Ultraschalluntersuchung lassen sich Anzeichen für Myome oder Endometriose feststellen.
Diagnostische Tests: Hormonuntersuchungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Ermittlung der Ursachen von Menstruationsstörungen. Diese Tests können die Messung von Hormonen wie HCG (humanes Choriongonadotropin), Östradiol, Progesteron, LH (Luteinisierendes Hormon), FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und Prolaktin umfassen. Diese Tests helfen dabei, zwischen den oben genannten Arten von Amenorrhö zu unterscheiden, Hormonstörungen zu erkennen und Erkrankungen wie Hyperprolaktinämie auszuschließen.
Ansätze zur Behandlung und Therapie
Die Behandlung von Menstruationsstörungen hängt von der jeweiligen Erkrankung und deren Ursache ab.
Hier sind einige allgemeine Behandlungsmöglichkeiten:
Schmerztherapie bei Dysmenorrhö:
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen hemmen Entzündungsprozesse und lindern so die Schmerzen. Auch orale Verhütungsmittel werden häufig zur Schmerzlinderung eingesetzt, indem sie den Menstruationszyklus regulieren. In schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein.
Umgang mit Amenorrhö:
Die Behandlung hängt von der Art der Amenorrhö ab. Bei einer primären Amenorrhö, die auf genetische Störungen oder anatomische Anomalien zurückzuführen ist, können Maßnahmen wie eine Hormonersatztherapie oder ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. Bei einer sekundären Amenorrhö muss die zugrunde liegende Ursache ermittelt und behandelt werden, beispielsweise das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) oder starker Stress.
Umgang mit Menstruationsstörungen:
Zur Behandlung unregelmäßiger Blutungen muss die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden. So kann beispielsweise die Behandlung von Gebärmuttermyomen oder Endometriose durch minimalinvasive Operationen die Symptome lindern. Auch hormonelle Verhütungsmittel können zur Regulierung des Menstruationszyklus beitragen.
Prämenstruelles Syndrom (PMS) und prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD):
Änderungen des Lebensstils, darunter Stressabbau, Ernährungsumstellung und Bewegung, können bei der Bewältigung von PMS helfen. Bei PMDD können Medikamente wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) oder hormonelle Verhütungsmittel verschrieben werden. Weitere Informationen zu diesen Erkrankungen finden Sie HIER.
Fazit
Das Verständnis des Menstruationszyklus und seiner Störungen ist entscheidend für die Förderung der Frauengesundheit und die Schließung der geschlechtsspezifischen Datenlücke in der Medizin. Indem wir die Komplexität dieses natürlichen Prozesses und die verschiedenen Faktoren, die ihn stören können, anerkennen, können wir Menschen mit Menstruationsstörungen eine bessere medizinische Versorgung und Unterstützung bieten. Ob Dysmenorrhö, Amenorrhö, veränderte Menstruation, PMS oder PMDD – eine frühzeitige Diagnose und angemessene Behandlung können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern. Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, unter Menstruationsstörungen leidet, wenden Sie sich an Ihren Frauenarzt, um eine gründliche Untersuchung und einen individuell abgestimmten Behandlungsplan zu erhalten.
Literaturhinweise & weiterführende Literatur:
Starke Menstruationsblutungen – Symptome und Ursachen – Mayo Clinic
Uhl:Gynäkologie und Geburtshilfe compact. GeorgThieme Verlag 2018, ISBN: 978-3-131-07346-4.
Findeklee, S. (2023). Der Menstruationszyklus. In: Endlich schwanger. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-66540-4_3
https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici-dossier/2013/12/Pramenopausale_Blutungsstorungen.pdf
Dieser Blogbeitrag wurde verfasst von Dr. med. univ. Martin Kiebler, einem Gynäkologen, der in einer der größten Frauenkliniken der Schweiz tätig ist.
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