Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD): Wenn das PMS zur Belastung wird
Hallo! Mein Name ist Martin und ich freue mich, euch zu dieser Blog-Artikelserie über prämenstruelle Störungen (PMS) begrüßen zu dürfen.
In unserem letzten Blogbeitrag haben wir uns mit dem Thema prämenstruelles Syndrom (PMS) befasst. Wir haben darüber gesprochen, wie man PMS diagnostiziert, welche möglichen Symptome auftreten können und wie man es behandelt. In diesem Blogbeitrag möchten wir uns jedoch auf eine spezifischere und intensivere Form des prämenstruellen Syndroms konzentrieren, die als prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD) bekannt ist. Wir werden uns eingehend mit PMDD befassen, einschließlich seiner Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten, um Ihnen zu helfen, diese Erkrankung besser zu verstehen und bei Bedarf ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Was ist die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD)?
PMDD ist eine hormonelle Störung, die bei manchen Frauen in den Tagen vor ihrer Periode auftritt. Als Ursache wird ein Ungleichgewicht bzw. eine gestörte Wechselwirkung zwischen Sexualhormonen und Neurotransmittern im Gehirn vermutet; möglicherweise ist dies zum Teil auch genetisch bedingt (lies diesen Blogbeitrag, um mehr darüber zu erfahren!).
Im Gegensatz zum PMS, das bei vielen Frauen leichte bis mittelschwere Symptome hervorruft, ist die PMDD durch schwerwiegendere emotionale, psychische und körperliche Symptome gekennzeichnet, die das tägliche Leben erheblich einschränken. Es wird davon ausgegangen, dass Frauen mit PMDD während ihrer gesamten fruchtbaren Jahre durchschnittlich 3,8 Jahre lang in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind!
Symptome
Die Symptome einer PMDD können von Frau zu Frau unterschiedlich sein, treten jedoch typischerweise in den Tagen vor der Periode auf und klingen kurz nach Beginn der Menstruation ab.
Während das prämenstruelle Syndrom (PMS) weit verbreitet ist und bis zu 75 % der menstruierenden Frauen betrifft, ist die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDD) eine schwerwiegendere und seltenere Form des PMS, die die psychische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden einer Frau erheblich beeinträchtigt.
Die häufigsten Symptome sind:
Extreme Stimmungsschwankungen: Frauen mit PMDD leiden unter starken Stimmungsschwankungen, die von plötzlichen Wutausbrüchen und Ungeduld bis hin zu Depressionen und Hoffnungslosigkeit reichen können.
Angstgefühle und Anspannung: PMDD kann auch mit starken Angstgefühlen und allgemeiner Anspannung einhergehen.
Depressive Stimmung: Frauen mit PMDD können in dieser Zeit depressive Symptome wie Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Interessenverlust verspüren.
Reizbarkeit und Wut: Oft leiden Frauen unter starker Reizbarkeit und Wutausbrüchen, was zu Spannungen in ihren Beziehungen führen kann.
Körperliche Symptome: Neben emotionalen und psychischen Symptomen können bei betroffenen Frauen auch dieselben körperlichen Symptome auftreten wie beim PMS, beispielsweise Brustspannen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Muskelschmerzen.
Diagnose
Die Diagnose von PMDD kann schwierig sein, da die Symptome mit anderen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen verwechselt werden können. Frauen, die an PMDD leiden, sollten ihre Symptome mit einer medizinischen Fachkraft besprechen. Eine genaue Betrachtung des Menstruationszyklus und der Symptome kann dabei helfen, eine genaue Diagnose zu stellen.
Genau wie beim PMS ist es sinnvoll, ein Symptomtagebuch zu führen, um den zeitlichen Zusammenhang innerhalb des Menstruationszyklus zu dokumentieren. Dies hilft bei der Diagnose von PMDD.
Es gibt keine spezifischen Labortests, mit denen sich eine PMDD nachweisen lässt, doch können solche Tests durchgeführt werden, um andere mögliche Ursachen für ähnliche Symptome, wie Schilddrüsenerkrankungen oder andere organische Erkrankungen, auszuschließen. Eine gründliche Anamnese, die eine detaillierte Erörterung der Symptome, des Menstruationszyklus und der Auswirkungen auf das tägliche Leben umfasst, ist für die Diagnosestellung von entscheidender Bedeutung.
Die Diagnose einer PMDD basiert auf festgelegten Kriterien, die im sogenannten DSM-5-System zu finden sind. Um die Diagnose PMDD zu erhalten, müssen bei Ihnen in der Woche vor Ihrer Periode über mindestens zwei aufeinanderfolgende Menstruationszyklen hinweg mindestens fünf der folgenden Symptome auftreten:
Vielleicht fragen Sie sich: „Was ist, wenn ich eine Spirale trage oder mich einer Gebärmutteroperation unterzogen habe und keine Periode mehr bekomme, aber dennoch die oben genannten Symptome verspüre?“ In dieser Situation ist es entscheidend, ein PMS-Tagebuch zu führen, um den zyklischen Verlauf der Symptome zu verfolgen.
Sollten bei Ihnen eines dieser Symptome auftreten, ist es wichtig, mit Ihrem Frauenarzt über eine genaue Diagnose und einen Behandlungsplan zu sprechen. Darüber hinaus kann PMDD gemäß den DSM-5-Kriterien neben anderen psychiatrischen Erkrankungen (z. B. Depressionen) bestehen, solange diese dadurch nicht lediglich verschlimmert werden. Vor der Diagnose von PMDD sollten prämenstruelle Störungen stets von einer zugrunde liegenden schweren psychiatrischen Störung, den Wechseljahren, Schilddrüsenerkrankungen wie Hyper- oder Hypothyreose oder Endometriose unterschieden werden.
Therapie
Das Behandlungsziel bei PMDD besteht darin, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Je nach Schweregrad der Symptome und Ihren individuellen Bedürfnissen kommen verschiedene Behandlungsmethoden in Frage.
Zu den gängigen Behandlungsmöglichkeiten gehören:
1. Medikamentöse Therapie: Zur Behandlung von PMDD werden häufig Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), eingesetzt. Diese Medikamente wirken, indem sie den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen, was dazu beitragen kann, Stimmungsschwankungen zu regulieren und Symptome von Depressionen und Angstzuständen zu lindern. Diese Medikamente müssen unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, da sie Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen und eine verminderte Libido haben können. Früher wurde ein Medikament namens Alprazolam (Benzodiazepin) speziell zur Linderung von PMDD-Symptomen eingesetzt. Dieses Medikament wird jedoch in internationalen Leitlinien nicht mehr empfohlen.
2. Hormontherapie : Bei manchen Frauen kann die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel wie Kombinationspillen (kombinierte orale Kontrazeptiva = KOK), die den Menstruationszyklus regulieren, zur Linderung der PMDD-Symptome beitragen. Dieser Ansatz sollte jedoch unter Berücksichtigung individueller Risikofaktoren mit einem Arzt besprochen werden.
3. Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Eine KVT kann hilfreich sein, um Bewältigungsstrategien zu entwickeln und die Symptome der PMD zu bewältigen, wenn das Ansprechen auf die medikamentöse Behandlung unzureichend ist. Sie kann sich als besonders wirksam bei der Bewältigung negativer Denkmuster und der Anwendung von Techniken zum Stressmanagement erweisen.
4. Änderungen des Lebensstils: Bestimmte Änderungen des Lebensstils können zur Linderung der Symptome beitragen. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, Techniken zum Stressabbau wie Entspannungsübungen und Meditation, eine ausgewogene Ernährung sowie der Verzicht auf Alkohol und Koffein.
FAZIT
PMDD ist eine schwerwiegende Erkrankung, die das Leben von Frauen erheblich beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, die Symptome mit einem medizinischen Experten zu besprechen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und die bestmögliche Behandlung zu bekommen. Mit der richtigen Diagnose und einem ganzheitlichen Behandlungsansatz lassen sich die Symptome von PMDD wirksam lindern und die Lebensqualität verbessern.
Dieser Artikel wurde von unserem Gastautor Martin im Rahmen seiner Serie über prämenstruelle Beschwerden.
Quellen & weiterführende Literatur:
