Wissenschaftler haben die ersten Mäuse gezüchtet, die eine Menstruation haben können

In einem bahnbrechenden Fortschritt für die Reproduktionsbiologie haben Wissenschaftler das erste Labormausmodell entwickelt, bei dem die Menstruation in einer Weise abläuft, die dem menschlichen Prozess sehr ähnlich ist. Diese Entdeckung könnte die Forschung zur Menstruationsgesundheit revolutionieren, da Wissenschaftler nun detailliert untersuchen können, wie sich die Gebärmutter in jedem Zyklus auflöst, abstößt und regeneriert.

Die Menstruation ist ein hochgradig koordinierter Prozess. Jeden Monat baut sich die Gebärmutterschleimhaut auf, um sich auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten. Wenn sich keine befruchtete Eizelle einnistet, wird ein Teil dieser Schleimhaut abgestoßen, während eine tiefere Schicht verbleibt, um sie für den nächsten Zyklus wieder aufzubauen. Es war bisher schwierig, genau zu verstehen, wie dieser Abbau und Wiederaufbau ablaufen, da gewöhnliche Versuchstiere, darunter auch Mäuse, keine Menstruation haben.

Um dieses Problem zu lösen, haben Forscher der Harvard University die Gebärmutterschleimhaut von gewöhnlichen Labormäusen so verändert, dass sie einen speziellen Rezeptor trägt, der durch ein harmloses Medikament aktiviert werden kann. Die Aktivierung dieses Rezeptors verstärkt die Kalzium-Signalübertragung in den Endometriumzellen, was eines der Signale ist, die das Gewebe in einen prämenstruellen Zustand versetzen. Das Team erhöhte zunächst den Progesteronspiegel, um die Phase nach dem Eisprung nachzuahmen, und setzte ihn später wieder ab. Da der Rezeptor zum richtigen Zeitpunkt aktiviert wurde, verdickte sich die Gebärmutterschleimhaut, löste sich dann auf und wurde über mehrere Tage abgestoßen, was dem menschlichen Menstruationszyklus sehr ähnlich ist.

Bei der Analyse des Gewebes stellte das Team Muster fest, die denen der menschlichen Menstruation entsprechen, darunter die Erweiterung von Blutgefäßen, Immunaktivität und Genexpressionsmuster, wie sie auch bei Menschen beobachtet werden. Mithilfe der räumlichen Einzelzell-Transkriptomik konnten sie zudem eine schichtartige Anordnung der Zellen in der Gebärmutterschleimhaut feststellen. Jüngere, regenerative Zellen bildeten Ringe um ältere, absterbende Zellen. Diese Anordnung könnte dazu beitragen, dass sich die Gebärmutter effizient entleert und anschließend ohne Narbenbildung regeneriert.

Die Studie liefert ein neues Verständnis davon, wie der Menstruationszyklus abläuft, und bietet Wissenschaftlern ein präzises, kontrollierbares Modell zur Erforschung von Erkrankungen wie Endometriose, Adenomyose und starken Menstruationsblutungen. Auch wenn nicht alle menschlichen Merkmale vorhanden sind – wie beispielsweise die für die menschliche Gebärmutter typischen spiralförmigen Arterien –, stellt diese Arbeit einen bedeutenden Fortschritt dar.

Die Ergebnisse wurden als Preprint veröffentlicht, was bedeutet, dass sie noch auf eine Begutachtung warten, aber bereits jetzt deuten sie auf einen bedeutenden Wandel in diesem Forschungsbereich hin. Ein zuverlässiges Modell für die Menstruation könnte neue Erkenntnisse im Bereich der Frauengesundheit beschleunigen – vom Verständnis der Biologie der Gebärmutterschleimhaut bis hin zur Entwicklung besserer Behandlungsmethoden für Erkrankungen des Fortpflanzungssystems und Entzündungskrankheiten. Dies verdeutlicht, wie Fortschritte in der Grundlagenforschung unseren Umgang mit der Menstruationsgesundheit und entsprechenden Erkrankungen nachhaltig prägen können.


📖 Die vollständige Studie finden Sie hier


Referenz

Çevrim, Ç., Hilgert, N. J., Kaage, A. M., Russell, A. J. C., Goldstein, A. E., Ang, C. J., Gable, J. L. R., Bagamery, L. E., Breznik, A., Di Bella, D. J., Talay, M., Peng, J., O’Neill, K. E., Chen, F., Eddy, S. R., & McKinley, K. L. (2025). Die Induktion der Menstruation bei Mäusen enthüllt die Regulation des Menstruationsblutungsvorgangs. bioRxiv. https://doi.org/10.1101/2025.10.08.681007

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Könnten Exosomen aus Menstruationsblut bei der Behandlung von Endometriose helfen?

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theblood wurde in The Guardian US vorgestellt